|
|
Der amerikanisch-britische Krieg
(Unabhängigkeitskrieg 1812-1814)
|
|
Die amerikanische Marine konnte angesichts der britischen Überlegenheit zur See nicht hoffen, die Seeherrschaft der Royal Navy zu brechen, geschweige ihre Atlantikküste zu sichern, oder zu verteidigen. Daher war der offene Kampf, oder die direkte Konfrontation mit den britischen Kampfverbänden fast immer wieder vermieden worden. Militärisch konzentrierten sich die US-Schiffe vornehmlich auf Handels-, oder einzelne Kriegsschiffe, die sich ohne Begleitschutz auf See befanden, und den schwerer bewaffneten US-Schiffen nichts entgegensetzten konnten. Da die amerikanischen See-Einheiten größer und schwerer bewaffnet waren, als ihre Gegner, und darüber hinaus hervorragend motiviertere Mannschaften und Offiziere besaßen, gelang ihnen vor allem zu Beginn des Krieges eine kleine Reihe von Erfolgen. Die britische Marine hingegen stationierte ihre maritime Hauptkapazität im europäischen Bereich gegen Frankreich, und die königliche Admiralität sah zur US-Navy keine ernsthafte Bedrohung aufkommen, was anfänglich auch vom britischen Parlament so angenommen wurde. Die US-Seeerfolge waren militärisch betrachtet bedeutungslos, hatten aber auf die öffentliche Meinung in den USA und dem Empire eine erhebliche Auswirkung, da die kleine US-Navy den Mythos der Unbesiegbarkeit britischer Kriegsschiffe massiv erschütterte. Zu Beginn des Krieges wies die US-Marine lediglich über sieben Fregatten, eine Korvette und eine kleine Reihe von umgebauten und bewaffneten Handelsschiffen auf, die den Briten ernsthaftes Kopfzerbrechen bereitete.
 |
Gefecht zwischen der USS Constitution und der HMS Guerriére
Den ersten Erfolg konnte sich die USS Constitution verbuchen, als ihre Besatzung am 2. August 1812 die britische Fregatte HMS Guerriére zur Kapitulation zwang und versenkte. Am 25. Oktober folgte die Eroberung der HMS Macedonian durch die USS United States, und am 20. Dezember verloren die Briten die HMS Java nach schwerem Gefecht mit der USS Constitution, wo die HMS Java förmlich zerrissen wurde. Die britische Admiralität befand sich nach den europäischen Erfolgen durch den amerikanischen Seekrieg in arge Bedrängnis gesetzt, da diese Seesiege bis in die letzten englischen Kolonien bekannt wurden, was dem Empire weiteres Aufkommen von Freiheitsgedanke (insbesondere Indien) und sonstigen Machtstreben gegen sie, nicht in ihr Schema paßte.
Britische Verbände stürmen Washington
Die britische Admiralität verstärkte daraufhin nach ihren unrühmlichen Seeniederlagen von 1812 ihre Flottengeschwader massiv in den US-Gewässern, und verschärften die Blockade gegen US-Häfen, um ein Auslaufen von Kaper– und Kriegsschiffen zu unterbinden. Mit den zunehmend kontrollierten Blockaden und Patrouillen wurde das Auslaufen für US-Schiffe immer gefährlicher, zumal die Briten nicht nur US-Kriegsschiffe und Freibeuter jagten, sondern auch Handelsschiffe aufbrachten, um damit Waffenlieferungen und Handelsgüter aus Frankreich zu unterbinden. Die amerikanischen Ausbrüche aus den Blockaden kostete die US-Navy mehrere Kriegsschiffe, wie die USS Chesapeake und die US-Fregatte USS President im Jahre 1815. Unzählige Handelsschiffe, hauptsächlich aus Frankreich kommend, wurden aufgebracht, und gingen stellenweise in den Besitz der englischen Flotte über, sofern sie nicht versenkt wurden.
Ab dem 26. Dezember 1812 wurde die Blockade zunächst den Delaware und den Chesapeake Bay massiv durchgesetzt. Danach dehnten die britischen Verbände die gesamte Atlantikküste südlich von Narragansett, um dann schließlich am 31. Mai 1814 die komplette Atlantikküste von der Außenwelt abzuriegeln. Damit war den britischen Truppen die Möglichkeit gegeben, Bodentruppen massiv und ohne Gefahr feindlicher Abfangseestreitkräfte auf das feindliche Festland abzusetzen. Diese destruktiven Landeunternehmungen richteten sich vornehmlich gegen Häfen, Städte und einzelnen Siedlungen, die nichts gegen diese Offensive entgegenzusetzen hatten. Die örtlichen Milizen, sofern sie bestanden, wurden aufgerieben und ihre Städte und Siedlungen in Brand gesetzt.
Nach dem Krieg
Nach dem Unabhängigkeitskrieg besann sich die junge Nation die amerikanische Atlantikküste mit diversen Küstenfesten (Festungen) zu bestücken, um strategische Punkte von See her abzuriegeln. Eine eigentümliche Art permanenter Befestigung bilden daher die geplanten Küstenbefestigungen und zwar deshalb, weil sie gegen die See wirken und von Kriegsschiffen angegriffen werden sollten, und sich nicht gegen Belagerungen mit allmählich näher rückendem Angriff, wie Landfestungen, zu verteidigen hatten. Als befestigte Auffangstellungen sollen diese Festen mit einer vor der Hafeneinfahrt liegenden feindlichen Flotte den Kampf aufnehmen, um entweder das Auslaufen der eigenen Schiffe zu begünstigen, oder eine Annäherung des Gegners zum Zwecke der Beschießung des Hafens und der Marineanlagen, wie Arsenale, Werften, Docks, Magazine usw., zu verhindern.
Fort McKee, Pickens (Florida), Fort Mobile und Fort Morgan (Alabama), Fort Monroe und Hampton (Virginia), und viele andere Befestigungen, waren Bestrebungen, die US-Atlantik-Küste für künftige militärische Auseinandersetzungen zu sichern, weil gerade in diesen Bereichen während des Unabhängikeitskrieg viele Verluste ohne Gegenwehr hingenommen werden mußten.
Schematische Darstellung Fort Sumter
Eine solche Befestigung war auch Fort Sumter, mit dessen Bau um 1829 begonnen wurde. Bei der strategischen Lagebeurteilung um 1827 wurde die Einfahrt in der Bucht von (Charleston/South Carolina) ausgewählt, wo mit fast über 70.000 Tonnen Granit und sonstiges Baumaterial ein Bollwerk errichtet wurde, was nie in Fertigstellung gelangen sollte
Die Form dieser Festung beschrieb ein unregelmäßiges Fünfeck mit einer Seitenlänge zwischen 51 und 58 Metern. Die anfängliche Mauerstärke, je Flankenbefestigung, wurde mit 1,50 Metern festgeschrieben – stellenweise sogar überschritten. Nach der damaligen Planung sollte die Festung rund 650 Soldaten aufnehmen, die sich mit ca. 135 unterschiedlichen Kanonen, Mörsern und anderen Waffen auf drei Stockwerken einem möglichen Gegner zur Wehr setzen konnten.
Ft. Sumter im Bürgerkrieg
Zu Beginn des bevorstehenden Krieges mit dem Süden unternahm der Unionsoberbefehlshaber Generalleutnant Winfield Scott verzweifelt Appelle (ab 26.10.1860) bei der Unions-Führungs-Spitze unter Präsident Buchanan durch, die Küstenforts und Befestigungen massiv mit Personal und Material zu verstärken, was aber durch Präsident Buchanan und dessen Kriegsministerium als lächerlich abgetan wurde.
Da man mit einer Belagerung aus dem Innern nicht rechnete, traf es Fort Sumter 1860 schlechthin: Im Zuge des Sezessionskrieges hatten mehrere Staaten die Union verlassen. Am 20. Dezember 1860 trat auch South Carolina aus der Union. Und weil Charleston einer der wenigen Tiefwasserhäfen im Süden der USA war, nahm die Stadt die entscheidende Rolle im Außenhandel des Südens ein. Kurz nach der Trennung von der Union, erklärte Gouverneur von South Carolina alle militärischen Anlagen als eigen, und die Truppen versuchten die Festungen und Stellungen zu besetzen. Major Andernson, Befehlshaber der dortigen Unionstruppen saß auf Fort Moultrie fest, einem aus überwiegend Holz bestehenden Befestigung, die keinem militärischen Sturm widerstehen konnte.
Heimliche Verlegung der Truppe
Er entschied sich für die sofortige und heimliche Umverlegung seiner Truppe auf das noch nicht fertiggestellte Fort Sumter, welches über stark befestigte Kasematten und Artillerie verfügte. Vor der Verlegung ließ er die Kanonen von Fort Moultrie unbrauchbar machen (Einsplintung), da diese im Flankenbereich auf Ft. Sumter wirken konnten.
Lageplan der Befestigungssektoren und deren Waffenwirkungsbereiche
Die Verlegung blieb nicht im Verborgenen, und die Nachricht der taktischen Verlegung erreichte auch Washington. Washington selbst unternahm erst durch diese Aktion den erstmaligen Versuch, Munition, Versorgung und neue Soldaten von See her in Marsch zu setzen, um Fort Sumter für einen bevorstehenden Kampf zu rüsten.
Am 8. Januar 1861 erreichte die „Star of the West“ den Bereich der Hafeneinfahrt von Charleston – wurde dort aber durch starkes Artilleriesperrfeuer gehindert, Ft. Sumter anzulaufen. Interessant ist auch, daß der Gouverneur von South Carolina einer Lebensmittelzulieferung an die Fortbesatzer zustimmte, was militärisch betrachtet, unlogisch ist.
Batteriebereich innerhalb Ft. Sumter
Nachdem der über Monate fortdauernde Aufruf zur Kapitulation des Forts, die seitens der dortigen Unionstruppen einfach ignoriert wurde, eröffneten konföderierte Truppen unter General Pierre Gustave Toutant Beauregard unter Verwendung von Artilleriegeschützen und Mörsern aus den umliegenden Hafenbefestigungen (Fort Moultrie, Fort Johnson und Cummings Point), am 12. April 1861, um 4.30 Uhr das Feuer auf Fort Sumter. Vorausgehend war das letzte Übergabeangebot durch den Süden, was aber durch Anderson abermals abgelehnt wurde. Erst bei Tagesanbruch eröffneten die Batterien innerhalb Ft. Sumter das Feuer auf die umliegenden Stellungen, die aber keine große Wirkung zeigten. Die durch Präsident Lincoln georderte und geheimgehaltene Verstärkungsflotte blieb im Mündungsbereich vor Charleston liegen. Ein Eingreifen von See her, war unmöglich, da starke Winde auftraten, und die Flotte Gefahr lief, in dem ganzen Pulver- und Brandqualm des Hafenbereiches in die Feuerlinie beider Seiten zu kommen.
 |
Beschuß Ft. Sumter
Erst am 13. April 1861 um 14:00 Uhr – nach über 34 Stunden Dauerbeschuß - ergab sich die Besatzung des Forts unter Major Anderson, nachdem ein Brand im Offiziersquartier außer Kontrolle geriet, und die Gefahr bestand, dass in der Folge das Pulvermagazin explodieren könnte. Während der gesamten Auseinandersetzung waren keine (menschlichen) Todesopfer zu beklagen.
Ft. Sumter vor dem Beschuß
Die Legende besagt, dass das einzige Todesopfer ein Pferd der Union war. Heutige Schätzungen lassen vermuten, das auf Fort Sumter fast 3,2 Tonnen Geschosse abgefeuert wurden, was für ein einzelnes Ziel zur damaligen Zeit eine enorme Bedeutung darstellte.
Die Sieger betreten Fort Sumter
Nach der Kapitulation der Unionstruppen wurde das Fort von konföderierten Truppen besetzt und notdürftig instand gesetzt. Im weiteren Verlauf des Bürgerkrieges wurde es mehrmals von heftigen militärischen Konfrontationen auseinandergesetzt – so unter General William Tecumseh Sherman, der unter schweren Verlusten, Sumter wieder einnehmen konnte.
Fort Sumter nach dem Bürgerkrieg
Nach dem Krieg war Fort Sumter eine Ruine. Anfängliche Bestrebungen einer völligen Wiederherstellung kamen bald zum Erliegen und das Fort wurde nur teilweise wieder instand gesetzt. Ab 1876 diente die Insel dann nur mehr als unbemannte Basis für einen Leuchtturm. Erst unter dem Eindruck des Spanisch-amerikanischen Krieges (25. April 1898 bis 12. August 1898) beschloss man eine neuerliche militärische Nutzung.
Im Jahr 1898 wurde mit dem Bau einer massiven Betonkonstruktion (Battery Huger) in den historischen Ruinen des Fort begonnen, die zwar in beiden Weltkriegen stets mit Truppen und Artillerie bemannt war, jedoch nie Schauplatz einer militärischen Auseinandersetzung wurde.
Fort Sumter heute
Seit 1948 ist Fort Sumter ein National Monument unter der Verwaltung des amerikanischen National Park Service. Die Betonkonstruktion Battery Huger steht noch heute inmitten des Areals und beherbergt mittlerweile ein Besucherzentrum und ein Museum.
Im Museum ist unter anderem das Original jener Fahne ausgestellt, die 1861 während des Bombardements über dem Fort wehte.
|