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„SCHAMANE DER ZEITEN“ - EIN „MYSTERY WESTERN“? Ich gestehe: Auch ich bin bekennender Fan des Kino-Millionenerfolgs „Der Schuh des Manitou“. Da Michael „Bully“ Herbig meine bisher 31bändige Serie KIT CARSON bestimmt nicht kennt, konnte er auch nicht wissen, was er mir antat, als er in seinem Film die „schön wohnenden“ Schoschonen gar so auf die Schippe nahm, die in meinen Romanen eine wichtige Rolle spielen.
Mir selbst ist es einmal ähnlich ergangen. In meinem bisher einzigen parodistischen Western („Ein King auf Rancho Bravo“ - geplant als Band 12 der neuen RIO CONCHO-Serie bei Walter L. Kelch) hielt ich es für einen guten Gag, einen „versnobten“ französischen Charolaise-Bullen mit bodenständig-naiven amerikanischen Kühen einzukreuzen. Erst nach Abschluss des Romans durfte ich irgendwo nachlesen, dass die Wirklichkeit weit über hundert Jahre schneller gewesen war als ich. Ernster wird es bei der historischen Frage nach den Erbauern der „Med Die Stadt auf dem Cahokia Mound, die Black Hawk im vorliegenden Roman in seiner Vision erblickt, entstand zwischen 900 und 1.200 nach Christus. Ihre ausführliche Beschreibung findet sich in zahlreichen Sachbüchern, so auch in Brian M. Fagans „Das frühe Nordamerika“, das mir eine hilfreiche Quelle war. In der Reihe „Magisch Reisen“ des Goldmann-Verlags erschien 1991 „Nordamerika - Heilige Orte der Kraft“ von Natasha Peterson. Selbst wer streng sämtliche esoterischen Bezüge in diesem Buch von sich weist, wird von den verbleibenden Schilderungen noch genug fasziniert. Ich habe ihm unzählige Anregungen für den vorliegenden Roman zu verdanken. Naturgeschichtliche Quelle war mir u.a. der „Reader’s Digest Scenic Wonders of America“ von 1973, den mir mein hilfreicher Mitbewohner Marcel Fouquet aus Neustadt freundlicherweise für die Zeit der Abfassung des vorliegenden Romans zur Verfügung gestellt hat. Auch an dieser Stelle möchte ich mich dafür bedanken. Ein weiterer Dank gilt Dietmar Kügler für sein Buch „In der Wildnis die Freiheit“ über Trapper und Mountain Men, aus dem ich erneut vieles bezogen habe. Sein „Verlag für Amerikanistik“ ist problemlos im Internet zu finden und eine wahre Schatzkiste für Freunde des historischen Amerika. Sagen und Legenden können bisweilen eine Dichte und Lebendigkeit annehmen, neben der Historisches und Faktisches in den Hintergrund tritt. Wer sich jemals genauer mit dem Big Horn Medicine Wheel, dem Mateo Tepee oder mato tipila (der erst Jahrzehnte nach der Handlung des vorliegenden Romans den Namen Devil’s Tower erhielt) oder dem Mount Shasta beschäftigt hat, der weiß, wovon ich spreche. Nicht ohne Grund hat Steven Spielberg in Unheimliche Begegnung der Dritten Art das außerirdische Raumschiff auf dem Gipfelplateau des Devil’s Tower landen lassen. Der Übergang vom Historischen zum Phantastischen kann - nach intensiver Beschäftigung mit beiden Seiten und im eifrigen Schreibverlauf - zu einem winzigen, kaum noch wahrgenommenen Schritt geraten, den ich nicht zum ersten Mal vollziehe: Aufmerksame Leser der KIT CARSON - Bände 10, 22 und 28 im Verlag meines Freundes Karl Ganzbiller haben ihn bereits mehrfach mitvollzogen. Der Sasquatch - auch Bigfoot genannt - hat freilich keinen historischen Bezug, doch die Legenden über ihn reichen ebenfalls bis ins vorletzte Jahrhundert zurück. Er gilt als amerikanische Entsprechung des Yeti genannten Schneemenschen in den unzugänglichsten Regionen des Himalaya. Sein Mitwirken im vorliegenden Roman mag als entscheidender konkreter Schritt zum Mystery Western gewertet werden. Ich kann freilich nur versichern: Als solcher beabsichtigt war er nicht. Mythen von solcher Kraft gelingt irgendwann in irgendeiner Form der Schritt in die Realität. Als Beispiel nenne ich nur Reinhold Messner und seine „Auseinandersetzung“ mit dem Yeti in seinem Buch zu dieser Expedition. Der Mount Shasta wurde bereits vor Jahrzehnten zu einem Königsthron der Esoteriker, doch die Legenden der Indianer sind noch um Jahrhunderte älter. Die Lemuren-Äffchen wurden nach den Geistern der römischen Mythologie benannt. Der Begriff Lemuria wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Paläontologen für einen vermuteten einstigen Riesenkontinent geprägt, der einst des Indischen Ozean überspannt haben soll - was die Migration der Lemuren von Madagaskar nach Indien erklären würde. Im ausgehenden 19. Jahrhunderten entstanden zahlreiche okkulte Theorien, nach denen die Bewohner dieses Riesenkontinents - auch Mu genannt - einen schier unglaublichen technischen und zivilisatorischen Stand erreicht haben sollen. Manche Esoteriker gehen so weit, dass sie den Mount Shasta für ein Stück Lemuria halten, das überlebt hat. Die hochgewachsenen Lemurier sollen spirituell dermaßen weit entwickelt gewesen sein, dass sie ganz nach Belieben ihren physischen Körper in „ätherischen Stoff“ (aus dem Geister sind) umwandeln konnten. Überhaupt ist der Berg die Heimat aller möglichen Geister und Wesen, die größtenteils anthropoid sind und von denen der Mensch rangmäßig an unterster Stelle steht. Ungeachtet dieser beschämenden Eingruppierung wurden auf dem Berg inzwischen Gebiete abgegrenzt, auf denen Skipisten, Loipen, Bob- und Schlittschuhbahnen eingerichtet wurden. Die Stadt Mount Shasta am Fuß des Berges ist seit über hundert Jahren Studienzentrum von ungefähr zwei Dutzend esoterischen Gruppen. Ein gewisser Guy Ballard hat dort eine religiöse Gruppe gegründet, weil ihm auf dem Mount Shasta der Graf von Saint-Germain, ein Abenteurer und Okkultist aus dem 18. Jahrhundert, erschienen sein soll, der ihm die Grundlagen seines Wissens und seiner Lehre offenbarte. Über den Grafen von Saint-Germain sind im Lauf der Jahrhunderte auch in Deutschland zahlreiche Biographien und Romane erschienen. Manche Gipfelwolken sollen nicht zufällig die Form fliegender Untertassen annehmen. Echte Ufos sollen ebenfalls auf dem Gipfel gelandet sein, Tore zur fünften und etlichen anderen Dimensionen sollen sich dort öffnen, eine parapsychische Kraftquelle aus dem Verborgenen strahlen. Gemäß den Überlieferungen einiger Mysterienschulen ist der Mount Shasta „einer der neun heiligen Berge der Erde“. Kein Wunder, dass der Mount Shasta früh Eingang in die Spannungsliteratur gefunden hat. Der Dracula-Autor Bram Stoker und der Science-Fiction-Klassiker Robert A. Heinlein dürften von all jenen Autoren am bekanntesten sein. Es gibt auch Gedichte über den Mount Shasta, und der Zeitungszar William Randolph Hearst ist einer ihrer Verfasser. Umfangreicher sind die Mount-Shasta-Gedichtbände von dem Cherokee-Indianer John Rollin Ridge (1854) und dem Shasta-Forscher Joaquin Miller. Es existiert sogar ein Science-Fiction-Comic über den Berg. Nachdem dieser Roman eine Eigendynamik entwickelt hat, mit der ich zu Beginn nicht im geringsten rechnen konnte, habe ich ihn mit sehr gemischten Gefühlen beendet. Ich hoffe, die Leserinnen und Leser verzeihen mir diesen „Ausrutscher“. Wer allerdings an Science-Fiction- und Fantasy-Elementen im Western Gefallen gefunden hat, dem kann ich die acht Tex-Willer-Comicbücher (je über 120 Seiten in Schwarzweiß), die 1971 im Bildschriften-Verlag erschienen sind, nur wärmstens empfehlen. Die Italiener haben da weniger Berührungsängste. Die Western-Epen „Tex“ (Tex Willer) und „Zagor“ („Rocky“ hieß er im deutschsprachigen Raum) des Cepim-Verlags haben es dort auf je über 500 Alben (also mehr als 50.000 Comic-Seiten pro Serie) gebracht, in denen Science Fiction-, Fantasy und auch Horror-Elemente sehr geglückt integriert worden sind. - In „Tex“ spielt übrigens von den ersten Alben an und bis heute ein „unhistorischer“ Kit Carson als bester Freund des Helden mit. Eine dritte, graphisch und erzählerisch äußerst anspruchsvolle jüngere Serie des Cepim-Verlages heißt „Magico Vento“ (Zauberwind). Er spielt ebenfalls im 19. Jahrhundert und handelt von einem jungen Soldaten namens Ned Ellis, der nach einem Unfall zu einem Schamanen wird. Hier dominieren Fantasy- und Horror-Elemente in einer derart geglückten Mischung mit den Ur-Paradigmen des „aufgeklärten“ klassischen Western, dass es dieses „neue“ Kult-Epos mit abgeschlossenen Episoden (und dennoch Fortsetzungscharakter) im September 2005 bereits auf 100 Alben gebracht hat. Sehr bedauerlich, dass „Magico Vento“ noch nicht den Weg ins deutsche Ausland gefunden hat. Ich bin Diplom-Übersetzer mit etwas Erfahrung (ca. 30 Comic-Alben sowie „Das Große Ehapa Comic Lexikon“) und würde mich grundsätzlich gerne dafür zur Verfügung stellen. Western, Science Fiction, Fantasy und Horror haben sich auch anderswo vermengt. Aus den USA fallen mir die Filme „Gwangis Rache“ (ein Western mit einem Saurier) und „Pecos Bill“ mit Patrick Swayze ein, in dem Pecos Bill auf einem Tornado reitet. Außerirdische wirken bei einem der 6 „Teufelskerle“-Westerntaschenbücher des Australiers J.T. Edson mit, die bei uns zuerst im Heyne-Verlag herauskamen und die später bei Kelter nachgedruckt wurden - ohne größeren Erfolg, während im englischsprachigen Raum davon weit über 100 erschienen. Im deutschen Marken-Verlag gab es vor bald 30 Jahren die Reihe „Grusel-Western“, in Wolfgang Hohlbeins „Hexer“-Serie läuft der Held zusammen mit Buffalo Bill einem Saurier über den Weg, und Konrad Kölbl hat seine über 90bändige Leihbuch-Serie „Conny Cöll“ aus den Fünfziger und Sechziger Jahren später um zwei Bände erweitert, die Conny Cöll in eine kosmische Handlung einbetten. Mit „Schamane der Zeiten“ war ich somit folglich nicht absoluter Pionier - vielleicht aber doch der erste, dem irgendwo zwischendrin völlig unbeabsichtigt das Historische zum Phantastischen geriet. Vermutlich barg die Figur des „Erneuerers“ von Anfang an Ansätze in dieser Richtung, die mir zunächst überhaupt nicht bewusst waren. Als ich es endlich bemerkte, konnte ich schon nicht mehr zurück. Leslie West ... München, Dezember 2006
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(C) Walter L. Kelch/mgverlag/2006 |